Gratulation an Christian Rodriguez zum erreichten Doktortitel!

Christian Rodriguez, Mitglied eines NFP 79-Projekts, hat seine Doktorarbeit zum Thema «Ethical Challenges of Animal Research and the 3Rs» erfolgreich verteidigt. Herzliche Gratulation!
Im Namen des NFP 79 gratulieren wir Christian Rodriguez herzlich zur erfolgreichen Verteidigung seiner Doktorarbeit «Ethical Challenges of Animal Research and the 3Rs: An Experimental Ethics Investigation in Switzerland» und zum damit erreichten Doktortitel.
Im Rahmen dieser Doktorarbeit wurden zentrale ethische Fragen zum 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine) sowie zur Wahrnehmung und Anwendung dieses Prinzips in der Forschung untersucht. Ein Thema, das auch im NFP 79-Forschungsprojekt «Braucht es eine ethische Neubewertung von 3R» im Mittelpunkt steht – an dem Christian Rodriguez als Teil des Forschungsteams beteiligt ist.
Drei wichtige Erkenntnisse aus der Doktorarbeit
Eine wichtige Erkenntnis wurde in der Fachzeitschrift ALTEX unter dem Titel «Russell and Burch’s 3Rs Then and Now: The Case of Switzerland» veröffentlicht: Die Schweizer Gesetze und Richtlinien stimmen demnach zwar weitgehend mit dem ursprünglichen 3R-Rahmen von Russell und Burch (die Erfinder dieses Prinzips) überein, zeigen jedoch erhebliche und ethisch problematische Änderungen in den Definitionen der einzelnen R. Insbesondere stützt sich das Schweizer Tierschutzgesetz auf eine evolutionäre Skala, die den Ersatz «höherer» Tiere durch «niedrigere» priorisiert. Diese evolutionäre Hierarchie könnte das ursprüngliche Ziel der 3Rs, das Leiden insgesamt zu minimieren, untergraben. Der Artikel untersucht weiter, wie die gesetzliche Umsetzung der 3Rs in der Schweiz gestärkt werden könnte, um diesem grundlegenden Ziel besser gerecht zu werden.
Eine zweite Erkenntnis stammt aus einer experimentellen Bioethik-Studie, die sich mit 3R-Dilemmata befasst, insbesondere mit Konflikten zwischen «Reduce» (Minimierung der Tieranzahl) und «Refine» (Minimierung der Schäden für jedes einzelne Tier). Die Studie zeigt, dass das Schicksal der Tiere nach dem Experiment eine entscheidende Rolle dabei spielt, wie Forscher mit diesen Zielkonflikten umgehen. 173 in der Schweiz ansässigen Forscherinnen und Forschern, die mit Tieren arbeiten, wurden Szenarien vorgelegt, in denen das Schicksal der Tiere (Euthanasie, Vermittlung oder Wiederverwendung) systematisch variiert wurde, und sie wurden gebeten, zwischen «Reduce» und «Refine» zu wählen. Das wichtigste Ergebnis ist, dass die Aussicht auf Euthanasie die Unterstützung stark in Richtung «Reduce» verschiebt und die Verwendung von weniger Tieren begünstigt, selbst wenn dies eine Erhöhung des Schadens pro Individuum mit sich bringt. Dies deutet darauf hin, dass Forscher der Tötung von Tieren ein erhebliches moralisches Gewicht beimessen – eine Überlegung, die sich in den aktuellen Gesetzen und Richtlinien zur Tierforschung nicht konsequent widerspiegelt.
Drittens wurden in der Dissertation die Einstellungen von Wissenschaftlern gegenüber den 3R beleuchtet («We Are the Earthworms! Aliens Using 3R on Humans: A Qualitative Experimental Ethics Study with Animal Research Professionals»). Diese Studie untersuchte, wie Fachleute über die 3Rs argumentieren, wenn die Situation anders aussähe: Ein Gedankenexperiment, bei dem eine überlegene ausserirdische Spezies Forschung an Menschen durchführt (gemäss den 3R-Prinzipien). Einige Teilnehmer akzeptierten die Verwendung von Menschen im Rahmen der 3R, andere versuchten, zwischen Menschen und anderen Tieren zu unterscheiden und wieder andere hoben die Grenzen der 3R hervor, wie etwa Bedenken hinsichtlich der Einwilligung und Machtasymmetrien. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, ethische Rahmenbedingungen in der Forschung weiterzuentwickeln und über die 3Rs hinauszugehen.
