Gratulation zu drei erfolgreich abgeschlossenen Dissertationen

Im Namen des NFP 79 gratulieren wir David Azilagbetor, Doris Zauchner und Simona Doneva herzlich zur erfolgreichen Verteidigung ihrer Doktorarbeiten.
Drei Forschende, eine Mission: die 3Rs vorantreiben. Im Rahmen des NFP 79 haben David Azilagbetor, Doris Zauchner und Simona Doneva erfolgreich ihre Doktorarbeiten verteidigt – sie haben die Ethik der Tierversuche neu überdacht, einen patientenspezifischen „Bone-on-Chip“ entwickelt und künstliche Intelligenz genutzt, um zu untersuchen, inwieweit sich Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen übertragen lassen. Drei sehr unterschiedliche Wege, die die Wissenschaft jeweils einer zuverlässigen, menschenrelevanten und humaneren Forschung näherbringen – und die jeweils einen Meilenstein für das NFP 79 darstellen. Herzlichen Glückwunsch an alle drei!
David Azilagbetor überdachte die Ethik von Tierversuchen neu
David Azilagbetor ist ausgebildeter Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Pflegeexperte für erweiterte Pflegepraxis (Advanced Practice Nurse). In seiner Forschung beschäftigt er sich mit ethischen Fragestellungen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesundheitswesen und revolutionären Technologien. Im Rahmen des NFP 79 ist er Mitglied des Projekts «THINK-3R», das unter der Leitung von Prof. Jens Gaab und Prof. Bernice Elger untersucht, wie verschiedene Anspruchsgruppen Tierversuche ethisch bewerten. Ziel des Projekts ist es, die Kohärenz der Bewilligungsverfahren in der Schweiz zu stärken.
Diese Forschung bildete auch die Grundlage seiner Doktorarbeit mit dem Titel «Ethics of Animal Experimentation: Improving Ethical Evaluations, Involving Patients, and Advancing Transparent Governance», die er nun erfolgreich verteidigt hat. Azilagbetor vertritt die Auffassung, dass ethische Bewertungen nicht auf quantitativen Punktesystemen beruhen sollten. Stattdessen plädiert er für kontextbezogene Einzelfallbeurteilungen durch vielfältig zusammengesetzte Kommissionen, denen auch von Krankheiten betroffene Personen angehören. Entscheidungen sollten dabei im Konsens getroffen werden. Darüber hinaus empfiehlt er, den bestehenden Schaden-Nutzen-Abwägungsrahmen um die psychische Belastung von Forschungspersonal zu erweitern, ethische Beurteilungen öffentlich zugänglich zu machen und ein nationales Bürger:innen-Panel einzurichten. Dadurch soll eine breitere gesellschaftliche Beteiligung an der Aufsicht über die Forschung mit Tieren ermöglicht werden.
Davids Forschungsanliegen: Das Streben nach mehr Transparenz und einer stärkeren ethischen Rechenschaftspflicht in der Wissenschaft. Dabei plädiert er dafür, die Perspektiven betroffener Personen – etwa von Patientinnen und Patienten, Bürgerinnen und Bürgern sowie der breiten Öffentlichkeit – stärker in wissenschaftspolitische Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
Azilagbetors Dissertation ist noch nicht online und wird, sobald sie verfügbar ist, im SNF-Datenportal auffindbar sein.
Doris Zauchner untersuchte Matrixdefekte bei der Glasknochenkrankheit
Doris Zauchner forscht zu Knochenentwicklung, Biomaterial-Engineering und den Mechanismen seltener Knochenerkrankungen. Bis im Frühling 2026 arbeitete sie am Institut für Biomechanik der ETH Zürich im Biomaterials Engineering Laboratory unter der Leitung von Prof. Xiao-Hua Qin. Sie nahm am NFP 79-Projekt «Improving Treatment for Patients with Rare Bone Disease» teil, das auf menschlichen Zellen basierende Modelle als Alternative zu Tierversuchen für die Erforschung der Osteogenesis imperfecta (OI), der sogenannten Glasknochenkrankheit, entwickeln soll.
Zauchner hat nun erfolgreich ihre Doktorarbeit "Osteogenesis-Imperfecta-on-a-Chip: An Experimental Tool to Study Matrix Defects in Brittle Bone Disease" verteidigt. Darin entwickelte sie eine Bone-on-a-Chip-Plattform auf Basis von Zellen von Betroffenen, um die Erkrankung unter Laborbedingungen zu untersuchen. Ihre Arbeit vereint drei zentrale Fortschritte:
einen mikrofluidischen Chip, auf dem menschliche Knochenzellen dreidimensionale Netzwerke bilden und mit der Mineralisierung beginnen – ein Prozess, der die frühe Knochenbildung nachahmt;
eine Methode zur Analyse des von den Zellen produzierten Kollagens, mit der sich die für die OI typischen Mineralisierungsdefekte untersuchen lassen;
die Anwendung der Plattform auf Zellen gesunder Spenderinnen und Spender sowie von OI-Betroffenen, wodurch patientenspezifische Unterschiede im Zellverhalten sichtbar werden.
Insgesamt entstand damit die erste patientenspezifische OI-on-a-Chip-Plattform. Sie stellt eine humanrelevante Alternative zu Tiermodellen dar und schafft die Grundlage für personalisierte Krankheitsmodelle sowie die Erprobung neuer Therapien für eine Erkrankung, für die bislang keine Heilung existiert.
Doris’ Forschungsanliegen: Die Herausforderung, komplexe biologische Prozesse in technisch entwickelten Systemen nachzubilden – und die Möglichkeit, humanrelevante Modelle zu schaffen, die unser Verständnis von Krankheiten vertiefen und dazu beitragen, die Abhängigkeit von Tierversuchen zu verringern.
Zauchners Dissertation steht im SNF-Datenportal zur Verfügung
Simona Doneva untersuchte die Übertragbarkeit von Ergebnissen aus Tierstudien auf den Menschen im grossen Massstab
Simona Doneva arbeitet am Center for Reproducible Science and Research Synthesis der Universität Zürich im STRIDE-Lab von Prof. Benjamin Ineichen, der kürzlich nach Bern gewechselt ist. Mit einem Hintergrund in Betriebswirtschaft, Informatik und Data Science verbindet sie Fachwissen im Bereich der Verarbeitung natürlicher Sprache mit Fragestellungen der translationalen Forschung und des Tierwohls. Im Rahmen des NFP 79 ist sie Mitglied des Projekts «Strengthening Digitalisation in Preclinical Research», das mithilfe von Text Mining und künstlicher Intelligenz Daten aus neurowissenschaftlichen Publikationen systematisch auswertet. Die aufbereiteten Informationen werden der Forschungsgemeinschaft frei zugänglich gemacht, um die Planung von Tierversuchen zu verbessern und eine evidenzbasierte präklinische Forschung zu fördern.
In ihrer Doktorarbeit nutzte Doneva künstliche Intelligenz, um Erkenntnisse aus Tierstudien systematisch mit den Ergebnissen klinischer Studien am Menschen zu vergleichen. Ihre Analysen zeigen, wie häufig sich Ergebnisse aus Tierstudien tatsächlich auf den Menschen übertragen lassen, wie selten zentrale Qualitätsstandards wie Randomisierung und Verblindung dokumentiert werden und wie die Wahl der Tierart und des Geschlechts der Versuchstiere die Resultate verzerren und ihre Übertragbarkeit einschränken kann. Indem sie diese Muster über eine grosse Zahl von Studien hinweg sichtbar macht, trägt ihre Arbeit dazu bei, die präklinische Forschung verlässlicher zu machen. Die dabei entstandene Dateninfrastruktur bildet zudem die Grundlage für eine interaktive Evidenzlandkarte, die Forschende bei der Studienplanung unterstützt und die Ziele der 3R fördert, indem vorhandene Erkenntnisse besser genutzt werden.
Simonas Forschungsanliegen: Die Nutzung künstlicher Intelligenz, um wissenschaftliche Evidenz besser zugänglich zu machen. Durch die Verbindung computergestützter Methoden mit biomedizinischer Forschung möchte sie zu verlässlicheren Forschungspraktiken beitragen, die sowohl dem Tierwohl als auch der menschlichen Gesundheit zugutekommen.
Donevas Dissertation steht im SNF-Datenportal zur Verfügung.
